Don Bosco Stiftung
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Es war im Oktober 1995, als ich zum ersten Mal nach Moskau kam. Wir waren zu dritt und wollten einen Hilfstransport mit Möbeln und Lebensmitteln für das eben neu errichtete Noviziat in der Nähe von Moskau übergeben. Wochenlang hatten die Mitbrüder in Benediktbeuern gesammelt und sortiert, um diesen Transport schließlich mit Hilfe des Malteser Hilfsdienstes auf den Weg zu bringen. Die Salesianer in Moskau lebten und arbeiteten in dieser Zeit unter einfachsten Bedingungen: sie wohnten auf verschiedene Wohnungen in Moskau verteilt, feierten Gottesdienst in einer Kirche, die praktisch eine Ruine war und es fehlte überall an Material und Geld.
Eines Abends war ich zu Besuch im kleinen Jugendzentrum im Untergeschoss jener fast zerstörten Kirche. Die Jugendlichen der Pfarrei hatten dort einen Treffpunkt gefunden und wurden von Salesianern und ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Plötzlich kamen zwei Jungen, nicht älter als acht Jahre, in zerlumpter Kleidung herein, baten um eine Kleinigkeit zu essen und waren sofort wieder verschwunden. Der verantwortliche Mitbruder erzählte mir, dass es sich dabei um Straßenkinder handelte, von denen es zu dieser Zeit viele Tausende in Moskau gab. Wir waren uns einig, dass dies ein wichtiges Arbeitsfeld für uns Salesianer wäre. Ein kleiner Spiel- und Sportplatz wäre ein guter Beginn, um den Kontakt zu diesen schüchternen Kindern zu bekommen, so der Mitbruder. Was aber fehlte, war das Geld dafür: 5.000.- DM würde das Ganze schon kosten.
Der Anblick der beiden Jungen ließ mich nicht mehr los...
Entschlossen, dieses Projekt zu verwirklichen, fuhr ich nach Hause, schrieb Bettelbriefe an Verwandte, Bekannte und Mitbrüder. Das Ergebnis war, dass zunächst viel mehr Geld kam, als wir für den Spielplatz benötigt hätten. So gab es neue Überlegungen, eventuell eine Wohnung für diese Kinder zu kaufen. Dafür reichte das Geld aber bei weitem nicht. Eine entscheidende Wende kam durch den Kontakt zu unserer Missionsprokur in Bonn. Der damalige Missionsprokurator, P. Karl Oerder war bereit, das Projekt zu begleiten und öffnete die Türen zum Hilfswerk "Renovabis". So konnten wir nach einigen Monaten die erste Wohnung kaufen und acht Kinder einziehen lassen, wenn auch unter größten Schwierigkeiten mit der damaligen Bürokratie.
| © Don Bosco Stiftung "Kinder brauchen ein Zuhause", 2010 | nach oben |