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Kinderheim in „Pokrova“

kinderheim pokrova

Im Lemberger Stadtteil „Pokrova“ ist ein neues Kinderheim eröffnet worden. Im Haus, in dem 43 Kinder Platz finden, findet sich auch eine Fitnesssporthalle und ein Multifunktionsraum.

Die Kinder leben in familienähnlichen Wohngruppen; jede Wohngruppe verfügt über einen Esszimmer, einen Erholungsraum, einen Schulraum, ein WC, Duschen, einen Umkleideraum sowie ein Zimmer mit Doppelbetten (4 bis 6 Kinder in einem Zimmer).

Außerdem gibt es im Haus eine Wohnmöglichkeit für bis zu 40 Studierende und Gästezimmer.

 

„Nicht in Steine, sondern in Menschen investieren“

Seit 2002 arbeitet Leonid Kruhly (35) als Projektbeauftragter für die Stiftung „Kinder brauchen ein Zuhause“. Der gelernte Betriebswirt ist verantwortlich für die ordnungsgemäße Verwendung der Spendengelder und er betreut Projekte, die aus deutschsprachigen Ländern unterstützt werden. Im Interview erzählt er, worin die Schwerpunkte der Stiftung liegen, was sich in zwölf Jahren Stiftungsarbeit verändert hat und wo weiterhin dringend Unterstützung notwendig ist.

Herr Kruhly, Sie arbeiten seit mehr als zehn Jahren als Projektbeauftragter für die Stiftung „Kinder brauchen ein Zuhause“. Wenn Sie einen Vergleich ziehen – was hat sich in dieser Zeit getan? Was sind die größten Entwicklungsschritte?

Leonid Kruhly: Es wurde sehr viel getan, wenn man all die Kinder denkt, denen die Stiftung über die Jahre hinweg geholfen hat. Die Zahl hat mittlerweile ein paar Tausende überschritten. Es wurden zwei große Kinderheime gebaut (Moskau und Lemberg), Kinder- und Jugendzentren in Korostyschev und Nowojelnia, Smorgon und noch vieles mehr. Wenn ich mich recht erinnere, hat die Stiftung damals mit 5.000 DM für einen Sportplatz für obdachlose Kinder in Moskau begonnen. Was seither passiert ist, ist wirklich unglaublich viel! Um das fortzuführen, muss aber weiterhin viel getan werden.

Wo liegen die Schwerpunkte der Projekte der Stiftung heute? Was ist das besondere an der Stiftung?

Leonid Kruhly: Die Schwerpunkte der Stiftung liegen darin, obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen, zu betreuen und zu begleiten – ihnen also ein Dach über dem Kopf und gleichzeitig eine Art Familienersatz zu geben.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Uns bzw. der Stiftung ist es wichtig, nicht in Steine, sondern in Menschen zu investieren.
Besonders ist, dass die Stiftung vor allem bei der Finanzierung der laufenden Kosten hilft. Normalerweise ist es leichter, Geld für den Bau einer Schule, eines Kinderheims oder eines Jugendzentrums zu finden. Viel mehr Aufwand bedeutet es, Mittel zu finden, diese Einrichtungen zu unterhalten, gerade hier im Osten.

Wofür werden derzeit dringend Gelder benötigt?

Leonid Kruhly: Im Moment explodieren überall in der Welt die Kosten für Strom, Gas und Lebensmittel. Bei uns ist das nicht anders. Als Beispiel: Die Unterhaltskosten des Kinderheims Prijut in Moskau-Fili betrugen vor zehn Jahren umgerechnet ca. 30.000 Euro. Jetzt sind es mittlerweile über 200.000 Euro. Bei allen anderen Projekten ist die Situation vergleichbar.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Projektbeauftragter?

Leonid Kruhly: Ich bin verantwortlich für die Betreuung der Projekte und der ordnungsgemäßen Verwendung der Spenden. Das heißt, ich sorge dafür, dass die gespendeten Beträge aus Deutschland richtig ankommen, und den Einrichtungen übermittelt werden. Gleichzeitig überprüfe ich, wie und für was die einzelnen Beträge in den einzelnen Einrichtungen ausgegeben werden. Den Spendern ist es wichtig, dass ihr Geld für die Bedürfnisse der Kinder und Jugendliche verwendet wird, und meine Aufgabe ist es, das zu begleiten.

Was ist Ihnen wichtig bei Ihrer Arbeit?

Leonid Kruhly: Mir liegt viel an einem reibungslosen Ablauf der Projekte, sowie an einer ordnungsgemäßen Verwendung der Spenden. Das Geld soll nur für die Sachen ausgegeben werden, für die es beantragt wurde. Und die Transparenz ist mir wichtig, dass die Spender wissen, für was ihre Spende ausgeben wird.

Gibt es eine Geschichte, die Ihnen aus den vergangenen zehn Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist?

Leonid Kruhly: Mich berühren immer die Geschichten der Kinder, die zum Beispiel in den Projekten in Moskau oder Lemberg leben. Es sind oft schreckliche Geschichten. Ich denke mir oft, wie kann ein Mensch einem Kind so viel Böses antun? Es entsteht ein Gefühl der Dankbarkeit für die Menschen, die solchen Kinder helfen wollen, und man ist einfach glücklich, wenn man die Kinder lachend beobachten kann. Das bleibt einem lange in Erinnerung.

Blicken wir zehn Jahre weiter: Sie dürfen ein bisschen träumen…Wie hat sich „Kinder brauchen ein Zuhause“ entwickelt?

Leonid Kruhly: Der Anteil an obdachlosen und armen Kindern und Jugendlichen wird sich in den nächsten zehn Jahren in den Ländern der ehemaligen GUS wohl kaum verringern. Wenn die Spender uns treu bleiben, können wir immerhin weiteren Tausenden von Kindern und Jugendlichen helfen.

Interview: Stefanie Singer